
Roche Deutschland behauptet sich gegen Deutschland-Stagnation
Roche wächst gegen den Trend und sieht sich mit 700 Mio. Euro Investitionen in Deutschland als einen Stabilitätsanker für die deutsche Wirtschaft. Der Gesamtumsatz stieg um 4,7 Prozent auf 8,9 Mrd. Euro. Einen Fokus legt Roche neben vielen Wirkstoffen in der Onkologie auf Alzheimer, zuerst in der Diagnostik, aber auch in der Therapie mit einem neuen Antikörper – in Penzberg erfunden – der besser ins Gehirn gelangt und dort einen viel größeren Wirkungsgrad erreichen kann als andere derzeitige Wirkstoffe.
Der Gesamtumsatz stieg um 4,7 Prozent auf 8,9 Mrd. Euro. Treiber war vor allem das Pharmageschäft, das um 6,3 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro wuchs – getragen von innovativen Therapien in der Onkologie, der Neurologie und in der Augenheilkunde.
Die Diagnostiksparte blieb mit 909 Mio. Euro (-1 Prozent) weitgehend stabil. Rückgänge bei klassischen Blutzuckerteststreifen infolge des Technologiewandels hin zur kontinuierlichen Glukosemessung konnten durch ein solides Kerngeschäft kompensiert werden. Strategisch bedeutsam sind die Konzernlieferungen aus Deutschland, die um 5 Prozent auf 5,8 Mrd. Euro zulegten. Damit unterstreicht Roche die Rolle der deutschen Standorte als globaler Produktions- und Technologieknoten gerade für Biologika aus Penzberg und Mannheim, aber auch bei Diagnostika.
Hohe Investititonen
Mit 719 Mio. Euro erreichten die Investitionen 2025 einen Höchststand. Seit 2020 summieren sie sich auf 3,8 Mrd. Euro. Allein das neue Diagnostik-Innovationszentrum in Penzberg schlägt mit 300 Mio. Euro zu Buche und soll Entwicklungszeiten um 30 Prozent verkürzen. In Mannheim wurden gleichzeitig rund 280 Mio. Euro in ein neues Distributionszentrum investiert, das in wenigen Tagen eröffent werden soll. Die Belegschaft an allen Standorten in Deutschland wuchs um über 330 Beschäftigte auf rund 18.600 Mitarbeiter.
Gleichzeitig mahnt das Unternehmen industriepolitische Reformen an: Bürokratie, langsame Genehmigungen und regulatorische Belastungen gefährdeten die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Vor dem Hintergrund einer industriepolitischen Neuaufstellung in den USA fordert Roche bessere Rahmenbedingungen für Investitionen, Innovation und Marktzugang in Deutschland. „Wir haben unser Investitionsversprechen auch unter zunehmend schwierigen Rahmenbedingungen und Belastungen eingehalten“, sagte Dr. Claudia Fleischer, Geschäftsführerin der Roche Diagnostics GmbH.
Innovationen vor Marktzugang
Roche weist auf neue Produkte hin, die in diesem Jahr auf den Markt kommen sollen und stark im Bereich der molekularen Diagnostik angesiedelt sind. Dazu zählt einerseits eine neue Sequenziertechnologie, die schneller ganze Genome sequenizieren kann. Diese „Expansions-Sequenzierung“ verspricht Geschwindigkeit und geringere Kosten und damit eine breitere Anwendung von Gensequenzierung als diagnostisches Werkzeug.
Eine weitere Neuerung soll ein blutbasierter Test auf das Risiko einer beginnenden Alzheimererkrankung sein. Über Biomarker will man damit die frühesten Anzeichen der neurodegenerativen Erkrankung aufspüren, unter der aktuell allein in Deutschland etwa 1,8 Millionen Menschen leiden. Bis zum Jahr 2050 soll sich diese Zahl fast verdoppeln auf dann 3 Millionen Betroffene. Die neue Diagnostik von Roche geht einher mit dem Hoffnungsträger eines neuen Antikörpers, der in der Forschungsabteilung des Standortes Penzberg entwickelt wurde. Dieser Trontinemab genannte Antikörper gegen Amyloid-Beta-Ablagerungen hat eine Erkennungssequenz, die ihn durchgängig für den Eisentransporter der Blut-Hirn-Schranke macht. Damit könne er in sehr viel höherer Dosis an den Wirkort gelangen als andere ähnliche Ansätze. Die klinische Daten zur Beseitigung der Plaques hatten für viel Furore gesorgt. Ob sich dies in eine Verlangsamung des kognitiven Verfalls übersetzen wird, muss die klinische Forschung belegen. Allein in Deutschland wären über 25 klinische Zentren an dieser Alzheimer-Studie von Roche beteiligt, so Pharmachef Steiners.

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